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Dieser Teil konkretisiert die in den vorherigen methodischen Abschnitten skizzierte Forschungsstrategie, indem er konkret geplante Auswertungsschritte für die erste Iteration im Rahmen der explorativen, stilometrischen Analyse der C64-Musik beschreibt. Er versteht sich ausdrücklich als Darstellung eines geplanten, explorativen Vorgehens und formuliert daher Zielsetzungen und Analyseschritte, ohne bereits tatsächliche Ergebnisse zu berichten.
Deskriptive Statistik der extrahierten Features
Die erste Auswertungsstufe besteht aus einer deskriptiven Analyse der extrahierten musikalischen Features, anhand derer typische Verteilungen und charakteristische Muster der SID-Musik beschrieben werden sollen. Im Zentrum stehen dabei exemplarisch die Verteilungen von Notenlängen, Akkordtypen und rhythmischen Mustern, die als Grundlage für weiterführende stilometrische Analysen dienen sollen.
Bewegungstempo und rhythmische Dichte
Die Analyse der Notenlängen soll Aufschluss über das typische Bewegungstempo und die rhythmische Dichte der SID-Musik geben. Geplant ist zunächst die Berechnung einer durchschnittlichen Notenlänge, die als globaler Indikator für das generelle Bewegungstempo eines Stücks bzw. eines Korpus dienen soll. Ergänzend dazu soll die Verteilung der Notenlängen in Tabellen oder Diagrammen visualisiert werden, um bevorzugte Wertebereiche und typische rhythmische Feinkörnigkeit sichtbar zu machen. Auf dieser Grundlage sollen charakteristische rhythmische Muster und Präferenzen innerhalb der SID-Musik identifiziert und mit stilistischen Fragestellungen verknüpft werden.
Akkorde und Harmonien: Harmonisches Vokabular
Ein weiterer Fokus liegt auf der Untersuchung des Akkord- und Harmoniegebrauchs, um das harmonische Vokabular und typische Progressionen der SID-Musik zu beschreiben. Hierzu soll zunächst der am häufigsten vorkommende Akkord ermittelt werden, um Hinweise auf tonale Schwerpunkte und wiederkehrende Zentren zu erhalten. Darüber hinaus ist geplant, ein vollständiges Akkordinventar mitsamt Umkehrungen und Alterationen zu erstellen und – wo möglich – ihre Funktion innerhalb typischer Progressionsschemata zu annotieren. Besondere Aufmerksamkeit soll dem Auftreten und der Behandlung von Dissonanzen gelten, etwa in Form von Durchgangstönen oder Vorhalten, um ihren Beitrag zum Ausdruckscharakter der Musik zu erfassen.
Rhythmische Muster: Charakteristische Signaturen
Die Analyse rhythmischer Muster soll dazu dienen, wiederkehrende rhythmische Signaturen der SID-Musik zu identifizieren. Geplant ist die systematische Erfassung und Katalogisierung von Mustern wie punktierten Rhythmen, Synkopen oder Auftakten, die entweder über ein gesamtes Stück hinweg oder in bestimmten Abschnitten auftreten. Die am häufigsten vorkommenden rhythmischen Motive sollen hervorgehoben und hinsichtlich ihrer Rolle für formale Gliederung und Ausdrucksfunktion diskutiert werden. Ergänzend dazu sollen Variationen und Transformationen solcher Grundmuster analysiert werden, um zu beschreiben, wie rhythmisches Material entwickelt und innerhalb eines Stücks verändert wird.
Korrelationen musikalischer Merkmale in der C64-Musik
In einem zweiten Schritt sollen Korrelationen zwischen ausgewählten musikalischen Merkmalen untersucht werden, um Zusammenhänge zwischen strukturellen Parametern der SID-Musik sichtbar zu machen. Ziel ist es, auf Basis dieser Feature-Paare Einsichten in kompositorische Konventionen, stilistische Strategien und mögliche algorithmische Regularitäten der Musik zu gewinnen.
Ausgewählte Feature-Paare für die Analyse
Auf Grundlage der Literatur zu musikstilometrischen Verfahren sollen spezifische Feature-Paare ausgewählt werden, deren Relevanz für die Forschungsfragen als besonders hoch eingeschätzt wird. Jedes dieser Paare soll einer Einzelanalyse unterzogen werden, in der sowohl die statistischen Zusammenhänge als auch ihre musikalische Interpretation diskutiert werden. Übergeordnetes Ziel ist die Entwicklung eines tieferen Verständnisses der musikalischen Konventionen und stilistischen Merkmale der SID-Musik als Teil eines explorativen, stilometrischen Ansatzes.
Melodischer Tonumfang und Notendichte
Als eines der Feature-Paare soll der Zusammenhang zwischen melodischem Tonumfang und Notendichte untersucht werden. Es wird geprüft, ob ein größerer Tonumfang mit einer höheren Notendichte einhergeht. Etwa in komplexeren Melodien mit zahlreichen Sprüngen oder ob sich alternative Muster ergeben. Umgekehrt soll analysiert werden, ob Stücke mit geringem Tonumfang tendenziell eine geringere Notendichte aufweisen und damit eher einfache, „enger“ gefasste Melodielinien bevorzugen. Diese Korrelation soll Hinweise auf die Komplexität und den melodischen Stil verschiedener SID-Kompositionen liefern.
Durchschnittliche Notendauer und Synkopierung
Ein weiteres geplantes Feature-Paar umfasst die durchschnittliche Notendauer und den Grad der Synkopierung. Es soll untersucht werden, ob längere durchschnittliche Notenwerte mit einem geringeren Maß an Synkopierung verbunden sind, etwa durch Betonung langer Noten auf metrisch starken Zählzeiten. Demgegenüber könnte eine kürzere durchschnittliche Notendauer mit stärkerer Synkopierung korrelieren, da feinere rhythmische Unterteilungen flexiblere Platzierungen auf unbetonten Zählzeiten erlauben. Die Analyse dieses Zusammenhangs soll zeigen, wie Komponisten Notenwerte und metrische Verschiebungen zur Gestaltung rhythmischer Charakteristika einsetzen.
Intervallvielfalt und melodische Kontur
Darüber hinaus soll die Beziehung zwischen Intervallvielfalt und melodischer Kontur untersucht werden. Es wird erwartet, dass eine größere Vielfalt an Intervallen eher mit komplexen, etwa wellenförmigen oder stark variierenden melodischen Verläufen einhergeht, während eine eingeschränkte Intervallpalette zu einfacheren, geradlinigeren Linien führt. Durch diese Analyse sollen verschiedene melodische Typen innerhalb der SID-Musik typisiert und stilistisch verortet werden.
Polyphoniegrad und Notendichte
Schließlich soll geprüft werden, in welchem Verhältnis der Polyphoniegrad also die Anzahl gleichzeitig erklingender Stimmen zur Notendichte steht. Trotz der technischen Begrenzung auf drei Stimmen im SID-Kontext bleibt es interessant zu analysieren, wie intensiv Komponisten diese Ressourcen nutzen und ob höhere Polyphonie mit insgesamt dichterer Textur einhergeht. Die Ergebnisse sollen Aufschluss darüber geben, wie sich Komponisten innerhalb der Hardware-Limits bewegen und welche Strategien sie zur Erzeugung klanglicher Dichte wählen.
Zur Visualisierung der Korrelationen sind Streudiagramme, Korrelationskoeffizienten wie die Pearson-Korrelation und Heatmaps vorgesehen, die einen kompakten Überblick über die Beziehungen zwischen den untersuchten Merkmalen ermöglichen.
Geplante Analyse des Komponisten-Korpus
Aufbauend auf den deskriptiven Analysen und Korrelationen soll ein weiterer Schwerpunkt auf der geplanten quantitativen Analyse des ausgewählten Komponisten-Korpus liegen. Ziel ist es, stilistische Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Komponisten sichtbar zu machen und diese anhand der extrahierten Features zu beschreiben.
Verteilung melodischer und rhythmischer Merkmale
Im Bereich der melodischen Merkmale sollen Tonhöhenverteilungen, Intervallstrukturen und Tonumfänge für einzelne Komponisten bzw. Komponistengruppen analysiert werden. Statt bereits erzielter Resultate werden hierbei Hypothesen formuliert, etwa ob bestimmte Komponisten tendenziell komplexere Intervallmuster oder größere melodische Sprünge bevorzugen und andere stärker auf repetitiven Phrasenaufbau setzen. Analog dazu sollen im Bereich der rhythmischen Merkmale Verteilungen von Notenwerten, rhythmische Dichte und bevorzugte Taktarten untersucht werden, um Unterschiede zwischen eher komplexen, synkopationsreichen Stilen und geradlinigeren, metrisch stabilen Schreibweisen zu erfassen.
Nutzung SID-spezifischer Techniken
Ein besonderer Fokus der Analyse soll auf der Nutzung SID-spezifischer Techniken liegen, die aus den MIDI-Repräsentationen der Stücke abgeleitet werden. Geplant ist unter anderem, die Häufigkeit und Komplexität schneller Arpeggien als Indikator für pseudo-polyphone Strategien zu quantifizieren und zwischen Komponisten zu vergleichen. Ebenso sollen Indikatoren für den Einsatz von Pulsweitenmodulation und Filter-Sweeps erhoben werden, um Unterschiede in der dynamischen Klanggestaltung und im Umgang mit verschiedenen SID-Chip-Versionen sichtbar zu machen. Ergänzend dazu soll die Nutzung von Rauschkanälen und digitalisierten Samples („Digis“) als Maß für unterschiedliche Perkussionsstrategien analysiert werden.
Clusteranalyse und Dimensionsreduktion
Abschließend sind explorative Clusteranalysen und Dimensionsreduktionsverfahren wie Hauptkomponentenanalyse oder t-SNE vorgesehen, um stilistische Beziehungen zwischen Komponisten oder Gruppen visuell darzustellen. Ziel ist es, auf Basis der Feature-Räume zu prüfen, ob sich Werke einzelner Komponisten in charakteristischen Clustern gruppieren und welche Überschneidungen oder Nähebeziehungen zwischen bestimmten Stilprofilen bestehen. Die Visualisierung der reduzierten Daten in Streudiagrammen soll als Ausgangspunkt für nachfolgende qualitative Interpretationen dienen, etwa in Bezug auf geteilte ästhetische Präferenzen oder gegenseitige Einflüsse.
Geplante Visualisierung der Verteilungen
Zur Unterstützung der beschriebenen Analysen sind vielfältige Visualisierungen vorgesehen, die die numerischen Befunde anschaulich machen und die Interpretation erleichtern. Grafiken und Tabellen sollen hierbei nicht nur der Illustration dienen, sondern als integraler Bestandteil des Analyseprozesses fungieren.
Notenverteilung
Für die Verteilung der Notenlängen ist der Einsatz von Histogrammen geplant, in denen unterschiedliche Notenwerte auf der horizontalen Achse und ihre relative Häufigkeit auf der vertikalen Achse dargestellt werden. Die Form dieser Histogramme soll Hinweise darauf geben, ob bestimmte Stücke oder Komponisten überwiegend lange oder kurze Notenwerte verwenden und wie fein die rhythmische Unterteilung typischerweise ausfällt. Ergänzend dazu können Kreisdiagramme eingesetzt werden, in denen die prozentuale Verteilung der Notenlängen als unterschiedlich große Sektoren visualisiert wird, um einen schnellen Überblick über dominante Wertkategorien zu ermöglichen.
Akkordhäufigkeit
Die Häufigkeit verschiedener Akkorde soll in der Regel mittels Balkengrafiken dargestellt werden, in denen die Akkorde auf der horizontalen Achse und ihre absolute oder relative Häufigkeit auf der vertikalen Achse abgetragen sind. Diese Darstellungsform eignet sich, um Unterschiede im harmonischen Repertoire zwischen Stücken, Komponisten oder Teilkorpora sichtbar zu machen und harmonische Schwerpunkte zu identifizieren.
Wiederkehrende rhythmische Muster
Wiederkehrende rhythmische Muster sollen tabellarisch erfasst werden, um ihre Struktur und Häufigkeit übersichtlich darzustellen. Jede Tabellenzeile soll ein spezifisches Muster repräsentieren, ergänzt um eine kurze verbale Beschreibung und ein notiertes Beispiel in traditioneller Notenschrift. Auf diese Weise sollen charakteristische Figuren sowohl textlich als auch visuell erfassbar gemacht werden.
Harmonische Progression
Für die Analyse harmonischer Progressionen ist eine schematische Darstellung der Akkordfolgen vorgesehen, in der die Akkordsymbole in der zeitlichen Reihenfolge ihres Auftretens notiert werden. Ergänzend sollen, wo möglich, die jeweiligen harmonischen Funktionen (etwa Tonika, Dominante, Subdominante) angegeben und durch Linien oder Pfeile Beziehungen und Spannungsverläufe visualisiert werden. Diese Darstellungen sollen helfen, zugrunde liegende harmonische Strukturen und Spannungsbögen in der SID-Musik auf einen Blick nachvollziehbar zu machen.
Die Kombination aus deskriptiver Statistik, Korrelationsanalysen, stilometrischer Komponistenanalyse und gezielten Visualisierungen bildet damit einen geplanten, mehrstufigen Auswertungspfad, der die Besonderheiten der C64-Musik quantitativ erfassen und zugleich interpretierbar machen soll.