Die Arbeit fokussiert sich auf die Erschließung sowie die explorative, quantitative Analyse der High Voltage SID Collection. Angesichts der immensen Größe der HVSC und Erschließungsmöglichkeiten, wurden für die Arbeit folgende Abgrenzungen vorgenommen:
Stichproben statt Vollerhebung
Die High Voltage SID Collection umfasst mit über 58.150 Dateien eine immense Menge an Musikstücken. Eine systematische Analyse des gesamten Korpus ist im Rahmen einer Masterarbeit schlichtweg unrealistisch. Daher wird die Arbeit auf die Analyse sorgfältig ausgewählter Teildatensätze oder Stichproben beschränkt bleiben. Die Auswahlkriterien für diese Teildatensätze (z.B. nach Komponisten, Zeiträumen oder Genres) werden im Methodenteil detailliert begründet.
MIDI als bewusst gewählte Abstraktion
Die zentrale Methode zur Zugänglichmachung der SID-Dateien für die computergestützte Analyse ist die Konvertierung in ein standardisiertes Format. Es wird ein Fokus auf Features gelegt, die aus dieser MIDI-Repräsentation extrahiert werden können. Dabei ist bewusst, und es wird in der Arbeit kritisch reflektiert, dass die Konvertierung von SID zu MIDI mit erheblichen Informationsverlusten verbunden ist. Obwohl ein hybrider Ansatz, der Registerdaten oder SSF-Daten einbezieht, perspektivisch angestrebt wird, um SID-spezifische Features (wie detaillierte Arpeggio-Merkmale, Stimm- und Wellenformnutzung) besser zu erfassen, wird dies durch die Limitierungen der verfügbaren Konvertierungswerkzeuge und den Implementierungsaufwand eingeschränkt sein. Die Analyse wird sich daher auf die Aspekte konzentrieren, die aus der gewählten Datenrepräsentation zuverlässig quantifizierbar sind.
Keine Disassemblierung des Maschinencodes
Eine detaillierte Analyse dieses Maschinencodes der SID-Dateien, um z.B. spezifische Player-Routinen oder deren technische Eigenheiten zu verstehen, ist ein eigenes, sehr komplexes Forschungsfeld und nicht Gegenstand dieser Arbeit. Obwohl das Verständnis der technischen Grundlagen des SID-Chips und der Kompositionstechniken für das Feature Engineering relevant ist, erfolgt die Datengewinnung für diese Arbeit über Konvertierungswerkzeuge und Emulatoren, nicht durch Disassemblierung und Analyse auf Code-Ebene.
Quantitativ-explorativ statt interpretativ-qualitativ
Die Arbeit verfolgt einen quantitativen, explorativen Ansatz. Das Ziel ist die computergestützte Analyse von messbaren, musikalischen Features zur Identifikation von Mustern und stilistischen Unterschieden innerhalb des ausgewählten Korpus. Es wird keine qualitative musikethnologische Forschung im Sinne von Interviews, Feldforschung oder interpretativer Analyse einzelner Stücke durchgeführt. Die Analyse fokussiert vor allem statistische Analysemethoden und einfache Methoden des maschinellen Lernens, wie Clusteranalyse oder Dimensionsreduktion. Eine komplexere Modellierung, wie z.B. eine umfassende Autorschaftszuweisung, wird im Rahmen des explorativen Fokus zunächst nicht angestrebt, wenn auch als logischer nächster Schritt der Erforschung betrachtet.
Begrenzung der Features und analytischen Tiefe
In Ergänzung zum Fokus auf MIDI-basierte Features, wird die Anzahl der extrahierten Features begrenzt bleiben. Es werden spezifische Kategorien, z.B. rhythmische und grundlegende melodische Features, sowie ausgewählte, quantifizierbare SID-spezifische Merkmale, und eine überschaubare Anzahl hypothetisch wichtiger, differenzierter Merkmale ausgewählt und begründet. Die analytische Tiefe beschränkt sich auf das Aufzeigen der Nutzbarkeit der Daten durch deskriptive Statistiken und Visualisierungen, sowie einfache Clusteranalysen zur explorativen Mustererkennung.
Diese Abgrenzungen sind entscheidend, um die Arbeit fokussiert und erfolgreich durchzuführen. Diese Entscheidungen basieren auf der Größe der HVSC, der Komplexität der SID-Dateien und den Limitierungen im Rahmen einer Masterarbeit und sind gleichzeitig auch ein wichtiger, zu berücksichtigender Bestandteil in der Methodik dieser Arbeit.